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Dr. Florence Gauzy: Frankreich nach zwei Wahlen und die Folgen für Europa – 22. Juni, 19.30 Uhr

Frankreich nach zwei Wahlen und die Folgen für Europa Der französische Präsident Emmanuel Macron ist am 24. April 2022 wiedergewählt worden. Mit 58,5% der Stimmen im zweiten Wahlgang der Präsidentschaftswahlen sieht seine Wiederwahl zunächst nach einem Erfolg aus. Betrachtet man weitere Zahlen, zeichnet sich jedoch eine andere Realität ab. Für den rechtsextremen Rassemblement National erhielt Macrons Herausforderin Marine Le Pen rund 42 Prozent der Stimmen. Im vorherigen Duell der beiden, im Jahr 2017, waren es 33% Prozent der Stimme gewesen. Macrons Vorsprung ist deutlich geschrumpft. Auch dieser Vorsprung ist mit Vorsicht zu deuten: Viele Franzosen insbesondere aus dem linken Lager gaben Macron ihre Stimme nur, um Marine Le Pen zu verhindern. Zudem sind etwa 28 Prozent der Wähler in der Stichwahl nicht wählen gegangen. Zieht man die Wahlergebnisse des ersten Wahlgangs am 10. April 2022 heran, stimmten nur 28% der Wähler tatsächlich für Macron und mehr als 52% für links- oder rechtspopulistische Kandidaten. Die französische Gesellschaft ist zutiefst gespalten. Die Kluft wächst zwischen den Gruppen, die sich in der liberalen, globalen, wirtschaftlich modernen und diversen Gesellschaft, die Macron gestaltet, verwirklichen, und denen, die sich ausgegrenzt fühlen und es teilweise auch sind. Der Kandidat Macron hat zwar gewonnen, aber dem Präsidenten stehen große Herausforderungen bevor, die durchaus Folgen für Europa haben werden. Gegen ihn organisiert sich bereits eine linke Front durch ein zweckgebundenes Wahlbündnis der Linkspopulisten und EU-Kritiker von Jean-Luc Mélenchon mit den Grünen und der sozialistischen Partei. Die Parlamentswahlen am 12. und am 19. Juni werden entscheidend sein. Sollte Macron die Mehrheit verpassen, wäre er faktisch gezwungen, einen Premierminister aus den Reihen der Opposition zu ernennen. Wohin steuert dann Frankreich?

Dr. Florence Gauzy ist Wissenschaftskoordinatorin in der Bayerischen Forschungsallianz München und Lehrbeauftragte am Geschwister-Scholl-Institut der Ludwig-Maximilians-Universität. Nach einem Studium der Germanistik mit dem Schwerpunkt Deutsche Geschichte und der Politikwissenschaft an den Universitäten Bordeaux, München, Washington, Freiburg und Paris promovierte sie an der Sorbonne Nouvelle, Paris (1995) und war Juniorprofessorin an der Universität Montréal, Kanada und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl von Prof. Dr. Stefan Fisch an der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer. Sie ist Trägerin des französischen Hochschul- und Wissenschaftsordens der Palmes Académiques seit 2006 und engagiert sich ehrenamtlich im Bundesverband für die Rehabilitation der Aphasiker e.V.

Garchinger Gespräche in der Stadtbücherei

Mittwoch, 22. Juni 2022, 19.30 Uhr

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